Formel 1 - Aufgedeckt: Wer hinter Quantum steckt Investor mit dunklen Flecken Der Investorendeal mit Quantum Motorsports soll endlich perfekt sein. Motorsport-Magazin.com deckt auf, wer hinter dem neuen Lotus-Aktieninhaber steckt.
0543766.jpg - Bild entfernt (keine Rechte) Hat sich Lotus wirklich den richtigen Investor ausgesucht?
Wer oder was steckt hinter dem Namen Quantum Motorsports?
Hinter dem Namen steckt eigentlich die Investmentgruppe Infinity Racing Partners. Das Unternehmen hat seinen Namen Mitte Oktober in Quantum Motorsports Ltd geändert, um eine mögliche Verwechslung mit Infiniti Red Bull Racing auszuschließen. Quantum Motorsport Ltd ist ein Konsortium aus dem Nahen Osten. Das Geld soll von privaten Investoren aus den USA und Abu Dhabi (Al Manhal International Group) fließen. Auch die Königsfamilie von Brunei soll zu den Geldgebern zählen und sich hinter dem Namen Universal Sports Group verstecken.
Wie sieht der Deal mit Lotus aus?
Momentan hält die Investmentgruppe bei 35 Prozent der Lotus-Aktien. Gerard Lopez wird weiterhin als Vorsitzender des F1-Teams fungieren, Genii-Geschäftsführer Eric Lux bleibt Direktor des Aufsichtsgremiums. Allerdings ist davon auszugehen, dass der neue Aktieninhaber nicht still im Hintergrund arbeiten wird. So soll Quantum gegenüber dem Team und Teamchef Eric Boullier bereits deutlich gemacht haben, dass Nico Hülkenberg die beste Wahl ist, um den in Richtung Ferrari wechselnden Kimi Räikkönen zu ersetzen.
Wieso hat der Deal so lange gedauert?
Der Deal zwischen Lotus und Quantum Motorsports Ltd, damals noch Infinity Racing Partners, ging bereits am 18. Juni 2013 über die Bühne. Für eine unbestimmte Summe - spekuliert wird über für 270 Millionen Dollar über den Zeitraum von fünf Jahren - soll Quantum Motorsports 35 Prozent der Aktienanteile des Lotus-Teams gekauft haben, doch das versprochene Geld ließ auf sich warten.
Glaubt man den Aussagen von Mansoor Ijaz, dem Quantum-Vorsitzenden, ist dieses Problem aus der Welt geschafft. "Sagen wir es mal so: diese Woche werden einige Rechnungen unterschrieben. Wir haben nicht nur vor, die noch ausstehenden Gehälter zu bezahlen, sondern auch unsere Mitarbeiter und das Management-Team für all die Schwierigkeiten zu entschädigen", betonte Ijaz. Teamchef Eric Boullier gab sich bedeckter: "Ich kann dazu nichts sagen, denn zwischen den Parteien wurde Stillschweigen vereinbart."
Wer ist Mansoor Ijaz?
Mansoor Ijaz ist ein amerikanischer Investor mit pakistanischer Abstammung. Er fungierte als Hedge-Fund-Manager und als Kommentator zum Thema Pakistan, Irak und Afghanistan unter anderem für CNN. 1990 gründete er die Firma Crescent Investment Management Ltd und sitzt dieser bis heute vor. Mansoor Ijaz war auch in die Kontroverse rund um Memo-Gate verstrickt. Memo-Gate handelt von einem Memorandum von Personen der Obama-Regierung, die im Zuge des Osama bin Ladens-Überfall Unterstützer suchten, um eine militärische Übernahme der Zivilregierung in Pakistan abzuwenden. Noch immer untersucht der pakistanische Oberste Gerichtshof die Vorfälle. Auch Mansoor wurde vorgeladen, verweigerte die Reise nach Pakistan aus Angst vor Anschlägen auf seine Person.
Welche Rolle wird Ijaz' jüngerer Bruder Mujeeb bei Lotus spielen?
"In zwölf Monaten wird Lotus die Nummer 1 sein", tönte Mansoor Ijaz im Juni lautstark. Bei seinen Plänen soll ihm sein jüngerer Bruder Mujeeb zur Seite stehen. "Während ich Fähigkeiten für die Finanzen entwickelt habe, hat er diese auf technischer Seite entwickelt. Er ist unglaublich klug und wird mit der Einführung des neuen Motorenreglements auf der Entwicklungsseite eine wichtige Rolle einnehmen", sagte Mansoor Ijaz. Bisher fungierte sein Bruder als Technikchef bei A123 Venture Technologies in Boston. Davor war er Senior Designingenieur bei Ford Motor Company.
Also ich würde mich viel mehr ärgern wenn Lotus dann doch auf einmal wirklich bei der Spitze mitmischt und Kimi bei Ferrari das Nachsehen hat...das wäre das Schlimmste.
Snipp snapp snute, så er eventyret ute.....MASTER OF DISASTER!
Zitat von theFworld im Beitrag #157Also ich würde mich viel mehr ärgern wenn Lotus dann doch auf einmal wirklich bei der Spitze mitmischt und Kimi bei Ferrari das Nachsehen hat...das wäre das Schlimmste.
Oh ja nicht auszumalen. Das wäre dann wirklich schlimm.
Lotus: Ist Quantum wirklich seriös? von Dieter Rencken & Roman Wittemeier 05. November 2013 - 12:51 Uhr Am angeblichen Einstieg der Investorengruppe Quantum beim Formel-1-Team Lotus bestehen Zweifel: Team immer noch fest in Lopez-Hand
Unbenannt.PNG - Bild entfernt (keine Rechte) Die Besitzverhältnisse beim Team Lotus sind derzeit völlig unklar
(Motorsport-Total.com) - Lotus ist gerettet, die Schulden werden beglichen, Kimi Räikkönen sofort bezahlt und Nico Hülkenberg für 2014 an Bord geholt. Mit diesen klaren Ansagen rückte sich Mansoor Ijaz am Sonntag des Abu-Dhabi-Rennwochenendes in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Versprechen des Frontmanns der Investorengruppe Quantum, die unter dem Namen Infinity bereits im Juni einen Vertrag über den Kauf von 35 Prozent an Lotus geschlossen hatte, klingen derzeit nach. Es kommen Zweifel auf.
Mindestens an drei Stellen gibt es noch Unklarheiten: Anteilsübernahme, Hülkenberg-Verpflichtung und Hintergrund der Quantum-Verantwortlichen. Ijaz hatte am Sonntag in Abu Dhabi klar geäußert, dass der Kaufpreis nach vielen Schwierigkeiten beim Transfer einer solchen Geldsumme mittlerweile auf den Konten des Teams sei. Somit wäre der Deal vom Juni abgeschlossen, 35 Prozent des Teams - wie es auf Ijaz' Wikipedia-Seite darstellt ist - wären somit endgültig in der Hand von Quantum. Aber stimmt dies?
'Motorsport-Total.com' fragte offiziell beim Team um die aktuellen Besitzverhältnisse an. Die konkrete Frage: "Stimmt es, dass nun 35 Prozent des Teams im Besitz von Quantum Racing sind?" Es folgte eine ausweichende Antwort: "Wir können zum aktuellen Zeitpunkt keine Information diesbezüglich herausgeben und dies nicht kommentieren." Also scheint doch noch nicht alles klar. Es muss auch gute Gründe haben, warum Hülkenberg und sein Management in dieser wichtigen Transferphase weiter abwarten.
"Der Vertrag ist vorbereitet. Es kann losgehen. Nico will kommen. Es ist nur eine Frage von wenigen Stunden oder Tagen, bis alles unter Dach und Fach ist", hatte Ijaz im Fahrerlager von Abu Dhabi getönt. Eigentlich hätte im Hülkenberg-Lager Jubelstimmung ausbrechen müssen, denn rein sportlich dürfte Lotus die beste Option für den Emmericher darstellen. Allerdings hat offenbar auch Hülkenbergs Manager Werner Heinz seine Zweifel am Quantum-Deal.
"Nichts, aber auch gar nichts will ich dazu sagen", erklärt der erfahrene Fahrermanager auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com', ob aufgrund der Quantum-Versprechen nun ein Lotus-Deal sicher sei. Auch Heinz wird sich im Rahmen der Möglichkeiten über Mansoor Ijaz und das Quantum-Konstrukt informiert haben. Wie 'sportbild.de' berichtet, ist der Leumund des US-Amerikaners mit pakistanischen Wurzeln zweifelhaft. Es gibt Berichte über Scheinunternehmen, Kreditbetrug und weitere dunkle Machenschaften von Ijaz.
Formel 1 - Mateschitz: Geldsorgen? Dann geht doch! Formel 1 ist keine Suppenküche Wenn sich ein Team die F1 nicht leisten kann, dann sollte es sich überlegen weiter zu ziehen - das meint zumindest Dietrich Mateschitz.
0138332.jpg - Bild entfernt (keine Rechte) Mateschitz zeigt kein Verständnis für die finanziellen Sorgen der Gegner
Motorsport-Magazin.com - Nicht nur Sauber und Lotus haben in dieser Saison mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Tatsächlich bereiten die Finanzen der Mehrzahl der Formel 1-Teams Kopfzerbrechen - zu den Ausnahmen zählt unter anderem Red Bull. Oberboss Dietrich Mateschitz zeigte in einem Interview mit der Welt jedoch wenig Verständnis für die Geldsorgen der Konkurrenz. "Finanzielle Probleme können nur durch eingenommene Gelder gelöst werden", erklärte der Österreicher.
"Wenn die Teams ihre Probleme nicht lösen können, dann sollten sie ihr Engagement für den Sport hinterfragen. Es gibt schließlich auch andere Teams, die Interesse an ihrer Lizenz hätten", fuhr er fort. Von einer Budgetgrenze hält Mateschitz nichts und vertritt damit eine ähnliche Meinung wie der frühere McLaren-Teamchef Ron Dennis. Seine Antwort auf die Kritik von Minardi-Teamchef Paul Stoddart, die F1 sei zu teuer, lautete: "Die F1 hat für jeden Platz, aber sie ist keine Suppenküche. Wenn du die Hitze nicht verträgst, solltest du aus der Küche gehen."
Redaktionskommentar
Motorsport-Magazin.com meint- Mateschitz' Aussagen werden der Konkurrenz nicht gefallen und auch die Fans sollten hoffen, dass die finanziell gebeutelten Teams nicht dem Vorschlag des Österreichers folgen. Denn dann würden wir zukünftig eine F1 mit vermutlich drei bis vier Teams sehen - eine DTM-Kopie, die keiner sehen will. Bleibt zu hoffen, dass Mateschitz bei seinen Aussagen missverstanden wurde, denn auch ihm sollte klar sein, dass nicht jeder das Glück hat, mit einer Getränkeformel eine goldene Nase zu verdienen.
[...] Oberboss Dietrich Mateschitz zeigte in einem Interview mit der Welt jedoch wenig Verständnis für die Geldsorgen der Konkurrenz. "Finanzielle Probleme können nur durch eingenommene Gelder gelöst werden", erklärte der Österreicher.
"Wenn die Teams ihre Probleme nicht lösen können, dann sollten sie ihr Engagement für den Sport hinterfragen. [...]
Bis hierhin teile ich seine Meinung vollkommen. Das Formel 1 Engagement einer Firma ist für mich gleichzusetzen mit einer Weltreise eines Ottonormalverbrauchers: Für viele das Non-plus-ultra, aber kaum einer kann es sich finanziell erlauben. Der restliche Artikel klingt wirklich sehr von oben herab.....
Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im Gespräch mit Journalisten – das hat Seltenheitswert. Mit der „Presse“ sprach er über Formel 1, Steuergerechtigkeit, die Nachfolge in seiner Firma – und wo er sich daheim fühlt.
08.11.2013 | 17:52 | (Die Presse) Die Presse: Sie haben mit dem Red-Bull-Team zum vierten Mal in Folge die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft in der Formel 1 gewonnen. Wie intensiv erlebt man den Erfolg, wenn er zum Automatismus und zur Übermacht wird?
Dietrich Mateschitz: Es inflationiert natürlich auch ein bisschen. Aber es ist nicht wie „Dinner for One“ zu Silvester: Sie wissen schon, same procedure as every year. Es ist immer noch alles andere als Normalität, und das versuchen wir auch so zu begreifen, daher freuen wir uns auch. Die Luft ist dünn da oben. Die anderen verstehen ihren Job auch. Auch sie investieren, konstruieren und perfektionieren.
Was macht dann den Unterschied aus?
Vielleicht, dass wir Qualitätsfetischisten in fast pathologischer Ausprägung sind.
Sie sind daheim geblieben, als Sebastian Vettel in Indien den Titel sicherte.
Ich gehe auf den 70er zu, da wird man ein bissl hoamsinnig, wie man in der Steiermark sagt. Wir machen jetzt 19 Jahre Formel 1, zehn Jahre mit Peter Sauber und jetzt das neunte mit Red Bull. Da reist man nicht mehr nach Shanghai und sieht vier Tage die Sonne nicht. Da geh ich lieber auf einen Berg, Schwammerlsuchen, Biken oder sonst was. Die Zeit ist kostbar. Dass ich da mit Bernie oder anderen den Vorstart rauf- und runtergehe, Sie wissen, das bin ich nicht. Vielleicht bin ich auch etwas faul geworden. Für Spielberg 2014, da gilt die Faulheit aber nicht, oder?
Nein, das ist etwas Besonderes. Da habe ich keine Ausrede.
Ist das Formel-1-Comeback, das Sie möglich gemacht haben, ein sentimentales Projekt oder ein wirtschaftliches?
Es hat viel mit gutem Willen zu tun, weniger mit Sentimentalität. Es ist mit Sicherheit kein Geschäft, ganz im Gegenteil. Aber für manche Dinge gibt man das Geld eben gern aus und für manche weniger gern. Diese Investition trage ich gerne. Eine Geste an Ihr Herkunftsland?
Ich will kein falsches Pathos. Wenn 80.000 Leute kommen, wird die Investition zurückfließen, nicht nur in die Steiermark, sondern ins ganze Land. Das macht dann Freude. Und wahrscheinlich habe ich auch so etwas wie ein Erzherzog-Johann-Syndrom, ein bissl ein Trauma. In Amerika wurde Ihr Unternehmen dieser Tage verklagt, weil ein Konsument angeblich an den Folgen überhöhten Red-Bull-Konsums verstorben ist. Wie gehen Sie damit um?
Das passiert fünf Mal im Jahr und nervt natürlich. Da muss man die amerikanische Justiz kennen, die Anwälte, die ihre Visitenkarten verteilen und sagen: Ich vertrete dich umsonst, dafür kriege ich 30 und mehr Prozent der Einnahmen. Wir haben meterhohe klinische und toxikologische Untersuchungen zur Unbedenklichkeit, die Vorwürfe sind absurd. Und wenn die französische Regierung eine Steuer auf Energy Drinks einführen will, dann tut sie das nicht, weil sie die Gesundheit schützen will, sondern weil sie damit 80 Millionen Euro für die leere Staatskassa lukriert. Das ist Doppelmoral, Lug und Betrug. Coca-Cola hat teilweise dasselbe Problem, bei denen ist es halt der Zucker, bei McDonalds ein Konsument mit Übergewicht, bei Walmart ein frisch gewischter Fußboden. Solche Beispiele kann man endlos aufzählen. Ich halte es mit Viktor Frankl, der sagt, das ureigenste aller Menschenrechte ist das der Eigenverantwortung. Die braucht aber einen Rahmen.
Den setzt bei uns der Staat so eng, dass von der Verantwortung des Einzelnen nichts mehr übrig bleibt. In der Pädagogik ist immer der Lehrer schuld oder das System, aber nie die Eltern oder die Jugendlichen selbst. Alles wird niederreglementiert. Man schreibt vor, dass ein Wegweiser auf einem Berg gelb und pulverbeschichtet sein muss und dass Schafe und Kühe auf der Alm Marken haben müssen, mit so und so vielen Farben, dass man schon fast keine Ohren mehr sieht. Ich glaube an Individualismus, nicht an Konformismus. Mich wundert, was die Menschen alles hinnehmen. Dass sie sich gefallen lassen, was die NSA macht, was die Staaten machen, was die EU macht. Irgendwann wird es zum Aufstand kommen.
Wollten Sie nie Politiker werden?
Nein, ich wäre völlig unbrauchbar. Da geht es um die politische Kultur. Ich finde es nicht richtig, dass es primär um die Machterhaltung der eigenen Partei geht, dass man durch Diffamierung und Diskriminierung der anderen Parteien überzeugen will und nicht durch die eigene Leistung. Das würde ich nie auf mich nehmen. Ich glaube auch nicht, dass es gut ist, dass man hauptberuflich Politiker ist. Was hat man da gelernt? Was ist das für ein Beruf? Ein verantwortungsvoller und zeitraubender.
Dass man rhetorisch gut ist? Dass man gut lügen kann? Dass man sich opportun verhalten kann? Das ist ja kein Beruf. Ich wünsche mir Politiker, die einen Beruf haben, Landwirt, Rechtsanwalt, Finanzmann, Wissenschaftler, Professor, Unternehmer, Journalist, Kaufmann. Und wenn man in der Politik keinen Erfolg hat, das heißt seine Leistung nicht erbringt, dann geht man zurück in die Kanzlei oder auf den Bauernhof. Dann wäre zumindest mal die Abhängigkeit von der politischen Partei aufgehoben. Und warum muss man überhaupt einer Partei angehören? Man verliert dadurch die besten Köpfe eines Landes, weil sie genau das nicht möchten. Im Kern ist es ganz einfach, in der Politik wie überall sonst auch: Es geht um Kompetenz und Charakter, um sonst nichts.
Sie stellen sich mit Ihrem Produkt dem globalen Wettbewerb. Wie wettbewerbsfähig ist Österreich?
Österreich könnte sein Potenzial besser ausschöpfen. Das gilt für Wissenschaft genauso wie für Technik, Forschung und Wirtschaft. Es gäbe in Österreich viele Marken, die das Potenzial hätten, international zu reüssieren. Warum das nicht allen gelingt, warum es vielleicht nicht einmal alle versucht haben, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht haben sie von manchem zu wenig, Selbstvertrauen, Freude an der Herausforderung, Mut, und von manchem zu viel, Bequemlichkeit, Zufriedenheit. Aber vielleicht fehlt auch die Möglichkeit, so einen Schritt zu finanzieren.
Es gibt Pläne, das Vermögen in Österreich stärker zu besteuern. Würden Sie das als glamourös Betroffener befürworten?
Ja, eine Vermögensteuer finde ich durchaus fair und legitim. Auch wenn man natürlich jetzt schon ein Zigfaches an Steuervolumen bezahlt.
Wo zahlt Red Bull Steuern?
Es wird der gesamte Weltumsatz in Österreich versteuert. Es ist relativ bekannt von mir, dass wir völlig transparent sind. Wir haben keine Einkaufsgesellschaft in Hongkong, wir haben die Marke nicht auf den Cayman-Inseln. Wir zahlen, so wie es sich gehört, jeden Cent Steuer ohne irgendwelche Konstrukte. Aber in Ausnahmezeiten, und in denen bewegen wir uns, ist es die Verpflichtung des Einzelnen, sofern er dazu finanziell in der Lage ist, zusätzlich zu kontribuieren. Man könnte die zahlungskräftigen Großunternehmen freiwillig zu einer solchen Einmalaktion oder meinetwegen über zwei, drei Jahre hindurch auffordern, einen solchen außerordentlichen Beitrag zu leisten – vielleicht käme dabei mehr heraus, als man sich jetzt vorstellen würde. Sie würden das machen?
Ja, solange es notwendig ist. Das Problem ist nur, dass es in Summe nicht viel helfen wird. Wenn Sie bei allen Arbeitnehmern fünf Euro im Monat einsparen, ist die Summe eine vielfach höhere, als wenn Sie den sogenannten Millionären Millionen wegnehmen. Was uns betrifft, machen wir ohnehin sehr viel. Und wenn es in Summe über das Machbare hinausgeht, dann müssen wir eben bei anderen Dingen einsparen, sei es im Sport, in der Wissenschaft, im sozialen Bereich oder sonst wo. Aber eines möchte ich schon noch anführen: Ich halte die Summe des Steueraufkommens in Österreich, als einem der höchstbesteuerten Länder, für ausreichend. Der Schlüssel ist die richtige Aufteilung. Aber noch einmal: Eine Vermögensteuer halte ich für durchaus legitim. Wie viel Steuern zahlt Red Bull?
Das weiß ich jetzt nicht genau. Wenn Sie Mehrwertsteuer, Körperschaftsteuer, Lohnsteuer, Kommunalsteuer, dazu die Mehrfachsteuern usw. zusammenzählen, dann sind das ein paar hundert Millionen im Jahr. In der Schweiz wäre es schonender.
Ich hab einmal im Spaß gesagt, wenn ich in die Schweiz ginge, könnte ich mir alle drei Monate eine Riesenvilla am Luganosee kaufen und verschenken, das Ganze viermal im Jahr, und es käme mich immer noch billiger als in Österreich.
Spricht da wieder Erzherzog Johann?
Nein, aber es besteht keine Notwendigkeit. Wie definieren Sie Luxus?
Die Intensität einer unversehrten Natur, ein kleiner Kreis an Freunden mit einer Affinität im Humor und in der Art zu denken. Sinnvolle, erfüllende Arbeit. Familie. Zeit, Souveränität über sie und gelegentlich gut essen gehen. Auch ansehnliche Ski und ein gescheites Bike für die Berge gehören dazu. Hier auf Ihrem Tisch liegt die Jachtzeitschrift „Exklusiv“.
Ich besitze keine Jacht. Es gibt den Spruch, die beste Jacht ist die von Freunden, aber ich habe auch keine Freunde mit Jacht.
Warum betreiben Sie einen defizitären Fernsehkanal mit zwei Prozent Reichweite?
Warum wir Servus TV gemacht haben? Wir haben einen Pilotsender für Red-Bull-TV gebraucht. Ich habe gesagt, wenn wir schon einen Pilotsender brauchen, um das Handwerk zu erlernen, dann muss er da sein, wo wir leben, und er muss das kommunizieren, wovon ich glaube, dass es notwendig ist. Wenn Sie sich durch die Fernsehprogramme zappen – und ich rede nicht nur von den Privatsendern –, dann frage ich mich oft, ob es Absicht ist, dass man zur Volksverblödung beitragen will. Da habe ich lieber zwei Prozent Reichweite und in ein paar Jahren vier. Da zeige ich lieber anspruchsvolle Dokus als ein 110 Kilo schweres, streitendes Serien-Eheweib in High Heels.
Wo zwischen Fidschi und Fuschl sind Sie zu Hause?
In Maria Alm, in einem Bauernhof am Fuße vom Steinernen Meer, ein unglaublicher Platz, die letzte Besiedelung, danach ist nur Wald. Die Mama wohnt bei mir, in einem Gästehaus neben dem Bauernhof. Da schaltet und waltet sie mit ihren 99 Jahren. Fühlen Sie sich vom offiziellen Österreich hinreichend wertgeschätzt?
Ich bin ein Kritiker meiner selbst. Eigentlich muss nur ich mit mir zufrieden sein. Ich möchte keine Orden und keine Ehrungen. Es gibt nicht viel, was ich nicht abgelehnt habe, und das wird so bleiben.
Sie werden nächstes Jahr 70. Was haben Sie noch vor mit sich?
Ich erinnere mich immer selber daran, dass es Zeit wäre, in Pension zu gehen. Mein Umfeld versichert mir, dass das keine gute Idee wäre. Ich habe meine Arbeitszeit auf eine Drei-Tage-Woche reduziert, was mir zur Hälfte auch einzuhalten gelingt. Meinem vierköpfigen Vorstand sage ich, ihr müsst euch angewöhnen, Entscheidungen irgendwann ohne mich zu treffen, weil ich dann nur noch Holzknecht sein werde.
Wird Ihr Sohn das Unternehmen weiterführen?
Er muss es zuerst wollen. Und dann muss er es können. Er wird sicher nicht wie ich Geschäftsführer und Alleinverantwortlicher sein, nur weil er mein Sohn ist. Er glaubt, er muss BWL studieren, also soll er. Er hat das Herz am rechten Fleck, er ist sensibel, auch so ein Michael Kohlhaas. Ganz schief wird er nicht werden. Beweisen wird er sich in anderen Unternehmen müssen. Sohn sein ist kein Beruf. Dann sollte er quer bei uns einsteigen. Es drängt ihn ja auch nichts. Ich habe einen exzellenten vierköpfigen Vorstand. Meine Nachfolge ist kein Problem. Wenn ich morgen nicht mehr ins Unternehmen kommen will, wird man das nicht merken. Wo wird man Sie dann vorfinden?
Auf meinem kleinen Pick-up, einem John Deere. Ich sitze am Steuer, mein Spitzname ist Husqvarna, hinten die Motorsäge und das Benzin. So fahr ich in den Wald und schneid herum, tu pflanzen und Bacherln regulieren.
Das Gespräch wurde von den Chefredakteuren der „Kleinen Zeitung", „Oberösterreichischen Nachrichten", „Salzburger Nachrichten", „Tiroler Tageszeitung", „Vorarlberger Nachrichten" und „Presse" geführt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2013)
Snipp snapp snute, så er eventyret ute.....MASTER OF DISASTER!