Petri Nevalainen: Der Iceman – Ein Portrait von Kimi Räikkönen

Kapitel 1: Kimi lebt, wie er es will

Kapitel 2: Nur die Weltmeisterschaft ist genug

Kapitel 3: Zum 7. Mal dieser Reiz

Kapitel 4: Max Mosley - Wer??

Kapitel 5: Eröffnungssieg gibt Hoffnung

Kapitel 6: Was ging schief?

Kapitel 7: Auf einer absteigenden Spirale

Kapitel 8: Einsamer Brummifahrer

Kapitel 9: Der Wind dreht sich

Kapitel 10: Der Nachbarsjunge

Kapitel 11: Ein Gorilla auf dem Wasser

Kapitel 12: Ferrari erhöht den Einsatz

 

Kapitel 13: Die Nerven kontrollieren

 
 

 

Kapitel 1: Kimi lebt, wie er es will

 

Es ist ein sonniger Tag im Jahr 1987. Zwei blonde Jungen geben auf dem Rasen eines Vorgartens in Espoo Vollgas mit Allem, das einen Motor hat. So wie sie es schon immer gemacht haben, Runde für Runde, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Jetzt haben die Eltern genug davon, aber sie zeigen immer noch Verständnis. Sie beschweren sich nicht über das Fahren der Kinder, sondern darüber, dass ihr Rasen permanent wie ein Kartoffelacker aussieht. Zum Glück gibt es gleich nebenan eine Kartbahn, die die zwei kleinen Räikkönen-Jungs Rami und Kimi eifrig besuchen. Dort beginnt Kimi Räikkönens farbenfrohe Reise in die Königsklasse des Motorsports. Am Ende einer langen, gewellten Straße erscheint das angestrebte Ziel, Formel 1 Weltmeister, das Räikkönen 2007 auf majestätische Weise mit dem legendärem Ferrari-Team erreichte. Dieser Formel 1 Saison fehlte es ganz sicher nicht an Drama. Der letzte GP in Brasilien bot Szenen, welche Kimi und seinen Ferrari-Anhängern Blut, Schweiß und Tränen einbrachte. Am Ende ist der 1. Platz komplett überraschend – um das erreicht zu haben, mussten viele Dinge genau zum rechten Zeitpunkt passieren. Während der Saison schaute es schon so aus, als ob die Chance Weltmeister zu werden, schon vorbei gewesen ist. Aber Kimi glaubte weiterhin an seine Chance. Mit diesem fast unglaublichen Sieg steigt Räikkönen in die Riege seiner finnischen Vorgänger Keke Rosberg und Mika Häkkinen auf.

 

Während der Vorbereitung auf dieses Buch hatte ich zwei Fotos auf meinem Schreibtisch liegen, die von der finnischen Presse veröffentlicht wurden. Der Zeitunterschied zwischen den Aufnahmen ist fast 10 Jahre. Beide zeigen Kimi Matias Räikkönen in Finnland, aber der Kontext in diesen Fotos ist wie Tag und Nacht. Was ist alles in diesen 10 Jahren geschehen? Wie wurde der junge, rotbackige Bursche Weltmeister, wie konnte er bei alle dem so cool bleiben und gleichzeitig der bekannteste Finne der Welt werden? Wie kommt es, dass er der populärste Gast in der Schloss-Party zum finnischen Unabhängigkeitstag im Dezember 2007 war, den die Crème de la Crème der Nation unbedingt treffen wollte? Wir haben einen Teil davon in der Medienübertragung und in den Zeitungsbildern gesehen, aber längst nicht alles. Eines der Bilder zeigt, wie Räikkönen in einem schwarzen Mantel mit einem roten Koffer aus einem verschneiten Hinterhof in Espoo auf den Eingangsbereich des Schlosses springt. Es war seine zweite Einladung in das Schloss, die Erste hat nicht in seinen Terminkalender gepasst. Die Party im Schloss war ein PR-Sieg für ihn. Der Starpilot, der für seine zurückhaltende Art und wenigen Worte bekannt ist, tritt auf den roten Teppich: lachend, stylisch und selbstbewusst. Neben ihm seine Frau Jenni Dahlman-Räikkönen, sehr damenhaft. Danach verschwindet das Paar für einen Moment aus der Reichweite der TV-Kameras. Die TV-Zuschauer können nur raten was die Präsidentin zu Räikkönen sagt, als er ihr die Hand schüttelt. Später haben wir die Bestätigung bekommen, dass das Thema die Weltmeisterschaft war. Die Präsidentin wollte Räikkönen dazu persönlich gratulieren. Das maßgeschneiderte Kostüm steht dem Weltmeister laut seinem Stylisten sehr gut und auch das Kleid seiner Frau Jenni war das Werk von Teemu Muurimäki. Räikkönen erzählt im Interview, dass er sich von der Einladung zu dieser Feier geehrt fühle und er denkt, dass es die wichtigste und beste Party im gesamten Land sei.

 

Räikkönen bekommt im Schloss eine ungeheure Aufmerksamkeit, wenn man bedenkt, dass sich dort jedes Jahr die oberste Gesellschaft und alle wichtigen Schlüsselpersonen der finnischen Regierung zusammenfinden. Räikkönen ist bei all der Aufmerksamkeit sehr reserviert und versucht den eifrigsten Beobachtern auf der Rückseite über die Küche des Schlosses zu entkommen, doch der Sicherheitsbeamte bittet ihn bald die Küche zu verlassen. Daraufhin bedient er sich vom Buffet-Tisch und bittet um etwas Privatsphäre um zu essen. Es hat den Anschein, dass einige Gäste mehr von dem Charisma und der Anwesenheit des Weltmeisters angetan sind als von der leckeren Bowle. Kimi gibt Autogramme, sogar auf die Hände der weiblichen Bewunderer. Er hat etwas Zeit um ein paar Worte mit Marimekko´s Ex-CEO Kirsti Paakkala zu wechseln, während Jenni mit ihren Freunden redet. Räikkönen trifft auch viele Kriegsveteranen im Schloss und hört sich deren Geschichten interessiert an. Dass der Weltmeister an dieser Feier im Schloss erschienen ist und der Präsidentin die Hand reichte, war in vielerlei Hinsicht Gold wert: nach dem Handschlag suchten Kimi´s glückliche und frohe Augen die TV-Kamera als würde er dadurch seine Dankbarkeit für die enorme Unterstützung durch die finnische Bevölkerung zum Ausdruck bringen wollen. Aber seine Sichtbarkeit auf dem Bildschirm endet nicht mit dem Handschlag. Nach einer Weile erscheint er in dem Interview Bereich des Schlosses mit Speerwerfer Tero Pitkämäki. Räikkönen lobt die Atmosphäre und die anwesenden Gäste der Feier als er von Tapio Suominen für den Sender Yle befragt wird. Er erzählt auch, dass er nicht oft an Finnland denkt, wenn er im Auto sitzt. „ An Finnland denke ich meistens, wenn ich ein Rennen gewonnen habe und die Nationalhymne gespielt wird. Aber sonst ist Finnland nicht so oft in meinem Kopf. Ich meine jeder kennt meine Nationalität und ich liebe es zu fahren und fahre für mein Team, deswegen denke ich in diesem Moment kaum an mein Heimatland“, sagte Räikkönen.

 

Räikkönen wirft unausgesprochene Signale durch das Fernsehen zu all denen, die nicht an ihn geglaubt haben. Diese Reporter und Fotografen, die die Energie hatten, die schmutzigsten Geschichten genau an den unpassendsten Orten auszugraben, in der Hoffnung auf einige skandalöse Enthüllungen. Die Öffentlichkeit ist eine schwierige Sache für Kimi, weil er sie abseits des GP-Wochenendes meidet wo es nur geht. Jedoch erregt der Weltmeister momentan immer und überall Aufmerksamkeit, auch wenn es das Letzte ist, was er sich wünscht. Kimi´s Image ist nicht tadellos und es gab viele unschöne Artikel über ihn. Er scheint zu glauben, dass an diesem Punkt seiner Karriere Schweigen die beste Art und Weise ist, seine Privatsphäre zu schützen. Es ist verständlich, dass Leute, die ihm nahe stehen, versuchen so gut es geht ihn vor Geschichten, die nicht der Rede wert sind, zu schützen. Sie zahlen sogar einigen etwas, um ihn davor zu schützen. „Geschichten, die nicht der Rede wert sind“ zu definieren ist immer dann schwierig, wenn die Medien alles übertreiben. Schönheiten, heutzutage auch Hässlichkeiten, sind immer mehr die Themen, die Leser interessieren. Seitdem solche Kleinigkeiten aufgebauscht werden, werden die Leser gefühllos bei dem, was sie lesen. Zur gleichen Zeit wird der Kontext der Geschichten immer ernster. Das ist etwas, das Kimi erst lernen musste. Ich bin mir sicher, dass es für ihn oft sehr schwer war zu verstehen, warum sich alle Blicke ausgerechnet auf den Weltmeister bei Ferrari richten. Die Antwort ist: Genau deshalb, weil er Weltmeister ist.

 

Räikkönen ist ein außergewöhnlich talentierter Sportler. Darüber hinaus ist er ein bodenständiger Mensch, der sich einfach nur wie jeder andere auf seine Arbeit konzentrieren möchte, seinen Job gut erledigen und frei wie ein Vogel im Himmel sein Leben führen will. Er ist wie ein Samurai-Kämpfer aus diesem Jahrhundert. Keke Rosberg hat Kimi´s Charakterzüge in ein paar Sätzen für das Formel 1 Racing Magazin im Jahr 2008 zusammengefasst: „Ich habe einiges zu hören bekommen, nachdem ich letztes Jahr in einem Live-Interview gesagt habe, dass Kimi nicht mehr im Kampf um den WM-Titel ist. Aber er kam zurück und hat gewonnen. Das ist einfach fantastisch. Aber das ist Kimi, ihn interessiert es nicht was andere Leute über ihn denken. Nichts kann ihn beeinflussen. Ich habe auch bemerkt, wie glücklich er bei Ferrari ist. Er ist ein neuer Mensch. Das Team hat ihm Freiheiten gegeben und verlangt von ihm nur jedes Mal, wenn er im Auto sitzt, seine volle Leistung abzurufen“, sagte Rosberg. Seine Beschreibung ist so treffend. Der mysteriöse Räikkönen dreht der Welt den Rücken zu, wenn sie ihn nicht interessiert. Da gibt es keine billigen Worte oder berechenbares Denken in Räikkönens Welt, anstelle dessen ist da nur Kimi: Ich lebe einfach nur so, wie ich leben will. Wenn man dies verstanden hat, gibt es eine Chance die Grundlage von Räikkönen´s Denkweise herauszufinden. Er versucht der Welt da draußen mitzuteilen, dass er einfach nur so gut wie möglich fahren will. Die restliche Zeit hätte er aber gerne seine Ruhe. Bis jetzt ist seine Botschaft aber für den Rest der Welt nicht zufriedenstellend. Die Leute wollen mehr über den Weltmeister wissen. Wer ist dieser geheimnisvolle Iceman, der den Speed des Autos für sich selbst sprechen lässt? Ist er wirklich der in sich gekehrte Finne, oder doch ein Kosmopolit? In diesem Buch versuchen wir Antworten auf diese und andere Fragen zu finden. Der Ausgangspunkt dafür ist, dass der Iceman laut seinem Umfeld nur dann eine ruhige und abgeklärte Einstellung hat, wenn es um das Fahren geht. Aus anderen Ecken wiederum hört man, dass Räikkönen auch privat einen sehr stillen und wenig redseligen Umgang pflegt. Doch wo in diesen zwei Aussagen liegt die Wahrheit?

 

 

Kapitel 2: Nur die Weltmeisterschaft ist genug

 

Im Januar 2007 dachte jeder, dass Kimi Räikkönen definitiv der Top-Anwärter auf den WM-Titel ist. Unterstützend dazu kam, dass der Finne nun für das erfolgreiche Ferrari-Team an den Start ging. Zweifel an Räikkönen´s Talent gab es ohnehin nie. Michael Schumacher bemerkte schon Anfang des Jahres 2001, dass Räikkönen sehr schnell ist. Schumacher sagte damals in einem Interview der Zeitschrift Autosport, dass der Finne, alleine auf den Tests basierend, auf höchster Ebene in der Formel 1 fahren kann. „Ich habe seine Fahrten in Mugello verfolgt und zur gleichen Zeit seine Rundenzeiten beobachtet. Er wird höchstwahrscheinlich einmal Weltmeister werden“, schätzte Schumacher damals.

 

Lasst uns 6 Jahre nach voraus blicken. Im Jahr 2007 durfte Kimi, bekannt als  schneller Pilot mit stahlharten Nerven, in dem magischen und legendären roten Ferrari Platz nehmen. Die Arbeitsmoral und Knowhow des Teams war auf einem sehr hohen Level. Jetzt hatte Räikkönen endlich den technisch fehlerlosen Ferrari-Rennstall hinter sich, anstelle von Woking´s Fehlerteufel, der ihn immer wieder fallen ließ. Ferrari präsentierte erstmals Räikkönen als ihren neuen Piloten bei dem traditionellen Winter-Event am 10. Januar in Madonna di Campiglio den internationalen Medien. Der Finne hatte gerade ein erholsames Weihnachtsfest zu Hause verbracht und schien deutlich entspannter und redseliger zu sein. Räikkönen begrüßte die vielen hundert Reporter auf Italienisch, indem er sagte: „Buongiorno a tutti“, „Hallo alle zusammen“. Der Schnellkurs in Italienisch, den ihm das Team gab, half augenscheinlich und mit diesen paar Worten hatte er eine engere Verbundenheit mit den nationalen Medien und Leuten des Teams geschaffen. Es kommt immer gut in der Formel 1 an freundlich zu sein, auch wenn es einem nach einer misslungen Vorstellung auf der Strecke anders zu Mute ist. Für die verbleibende Zeit des Events jedoch kam Kimi wieder auf die Arbeitssprache des Team, Englisch, zurück. Zu diesem Zeitpunkt hat Kimi bereits festgestellt, dass die Atmosphäre bei Ferrari viel entspannter war als die Kommandos, die er bei seinem früheren Arbeitsgeber erhalten hat. Räikkönen sprach über seine neue „Familie“ und die hochrangigsten Führungspersonen, genauso wie über die Fabrik seines neuen Teams. Nun zu dieser legendären Gruppe zu gehören, ließ selbst Räikkönen nicht kalt: „ Es war etwas Besonderes zum allerersten Mal die Teamkleidung von Ferrari anzuziehen. Rot ist eine warme Farbe und ich denke das spiegelt schon einiges wider. Auch wenn mir viele gesagt haben, dass ich hier Probleme kriegen könnte, so hat doch alles wunderbar geklappt“, erzählte Räikkönen.

 

Luca di Montezemolo und Jean Todt dachten, dass Räikkönen einfach die beste Wahl wäre Schumacher zu ersetzen. Di Montezemolo offenbarte den Journalisten, dass Räikkönen´s Name schon 2002 in ihren Plänen war. Zu dieser Zeit führte Räikkönen den Frankreich GP 5 Runden vor der schwarz-weiß karierten Flagge an und es hatte den Anschein, als ob Schumachers WM-Feier auf den nächsten GP verschoben werden musste. Doch Räikkönen rutschte auf einer Ölspur aus und Schumacher konnte ihn überholen und gewann das Rennen vor Räikkönen. „Kimi kommt genau zum richtigen Zeitpunkt seiner Karriere zu uns“, sagte Luca di Montezemolo der Presse im Januar 2007. Räikkönen´s erste Ferrari-Saison war faszinierend anzusehen, aber ganz sicher nicht einfach. In jener Zeit war es sogar für treue Anhänger schwer auf dem Laufenden zu bleiben, weil sich die Ereignisse auf und abseits der Rennstrecke überschlugen. Die Spygate-Affäre zwischen Ferrari und Mclaren ließ die Gemüter in den Teams hochkochen und war zugleich der meist diskutierteste Zwischenfall der Saison.

 

Der prickelnde und aufregende F1-Thriller brauchte neben Räikkönen auch noch ausreichend starke Nebendarsteller. Das waren in dieser Saison Lewis Hamilton, Doppelweltmeister Fernando Alonso und sein eigener Teamkollege Felipe Massa. Die Saison war von Dramen geprägt, die das ganze Jahr durch anhielten. Eine Saison, die mit dem Sieg im Eröffnungsrennen gut begann, aber dann Stück für Stück nach unten ging. Das große finnische Formel 1 Publikum verlor mit dem vielen Pech das Räikkönen im Frühling und Sommer hatte allmählich das Interesse. Sie haben schon angefangen Räikkönen als den ewigen Kämpfer gegen das Unglück und den ewigen Verlierer zu bezeichnen. Haben sie denn so schnell vergessen, wie beispielsweise Mika Häkkinen nach einem steinigen Weg seine zwei Weltmeisterschaften gewonnen hat? Räikkönens Ausgangssituation im September in Japan war nicht gut. Nach diesem Rennen war sie geradezu aussichtslos. Die 14 Punkte Rückstand vom letzten Rennen sind auf 17 Punkte angewachsen. Eigentlich sollte der Lücke zu dem WM-Führendem in diesem Rennen geschlossen werden, stattdessen passierte genau das Gegenteil. Es verbleiben nur noch 2 Rennen, in denen maximal 20 Punkte aufgeholt werden können. Aber Hamilton reichen schon 4 Punkte in diesen 2 Rennen aus, um die WM für sich zu entscheiden, er musste also regenrecht mit den Händen in den Hosentaschen fahren. So zumindest fühlte es sich für viele Fans von Hamilton und Räikkönen an. Die grausamen Fakten waren schnell aufgelistet. Der Finne galt zu Recht nicht als Favorit auf den Titel. Räikkönens einzige Hoffnung war es, die verbleibenden beiden Rennen zu gewinnen. Dazu noch musste er auf ein Wunder hoffen: Hamiltons Ausfall. Und auch das wäre nicht genug, er bräuchte immer noch zwei Wunder hintereinander. Der Finne hatte keine andere Wahl, wenn er Weltmeister werden wollte.

 

Der Weltmeistertitel der Konstrukteure war bereits in den Händen von Ferrari. Jetzt versuchte das italienische Team alles, dass Räikkönen den Fahrertitel gewinnen kann. Das GP-Wochenende in Japan war dabei ein großer Rückschlag für diese Träume, weil Fernando Alonso nach diesem Rennen auch noch im Kampf um den Titel dabei war. Sie konnten ihn nicht einfach fahren lassen und seine schmutzigen Tricks machen lassen, weil Alonso nach dem GP 5 Punkte mehr als Kimi hatte. Es war eine Art Zweifel an Räikkönens Chancen unter den Ferrari-Leuten verbreitet, auch wenn sie das erst nach der Saison zugegeben haben. Die Situation war eindeutig: die 17 Punkte Abstand waren viel, wahrscheinlich zu viel, um es als eng zu bezeichnen. Er konnte sich aber auf die Hilfe seines Teamkollegen Felipe Massa verlassen. Er wird aber keinerlei Erbarmen von Alonso oder Hamilton erwarten können, auch deswegen nicht, weil Alonso am Ende der Saison zurück zu Renault geht, nachdem er eine Auseinandersetzung mit dem Management von Mclaren hatte. Die Situation ähnelt etwas den Erfahrungen, die Räikkönen mit Ron Dennis gemacht hatte. Räikkönen kam mit Dennis auch nicht zurecht und fand glücklicherweise aber einen Job im bekanntesten Formel 1 Team der Welt. Aber jetzt mussten sie ihre Motoren bis ans Limit bewegen, um Räikkönen zu unterstützen. Nicht ein einziger Fehler ist mehr erlaubt und von dem Mal abgesehen muss alles in einer geradezu märchenhaften Weise richtig laufen.

 

Wir werden Räikkönens Momente des Schicksals in China und Brasilien noch einmal durchleben: wird alles so laufen, dass er wirklich noch Weltmeister werden kann? Im Falle einer Niederlage könnte in das in den gleichen Teufelskreis bringen, in dem er bei Mclaren war. Dort war Räikkönen schon 2003 reif genug um Weltmeister zu werden, aber das Team konnte ihm damals und auch später kein Siegerauto bauen. Während der kritischen Momente in der Saison 2007 konnte sich Räikkönen auf sein Team zu 100% verlassen. Er ist mit dem Team und seinen Renningenieur Chris Dyer während der Saison auf eine Wellenlänge gekommen. Jean Todt´s vertraute, väterliche Figur stand immer noch während dem Rennen hinter der Boxenmauer. Ferrari war es gewohnt zu gewinnen und deswegen gab es keine Fehler in der Arbeit des Teams in einem schwierigen Moment wie diesen. Aber mit was werden Hamilton und Alonso auftrumpfen? Alonso wusste, wie ein Weltmeistertitel schmeckt, aber ist Hamiltons Unerfahrenheit am Ende der Schlüssel zur Titel, den sich Räikkönen so sehr wünscht?

 

 

Kapitel 3: Zum 7. Mal dieser Reiz

 

Die Formel 1-Saison 2007 startete in Melbourne, Australien. Räikkönen stand zum 7. Mal vor der gleichen Situation: Eine Zeit voll harter Arbeit. Aus dem unerfahrenen Finnen wurde in dieser Zeit zu einem alten Hasen mit über 100 GPs auf dem Buckel. Sechs Mal zuvor endete diese Zeit voller Arbeit am Ende des Jahres in einer Enttäuschung. Der talentierte und schnelle Finne hatte noch kein einziges Mal die Weltmeisterschaft gewonnen, auf die er das ganze Jahr über hinarbeitete. Der Ferrari F2007 zeigte sein Potential bei den langen und gründlich durchgeführten Tests von Ferrari in den vergangenen Monaten, aber es war immer noch ungewiss, wie er sich letztendlich in Rennsituationen schlägt. Die bevorstehenden 17 Rennen waren für Kimi in gewisser Weise ein Traum, der wahr wird, aber gleichzeitig auch eine große Herausforderung. Jetzt sollte er ein Auto haben, das in seinen Händen gut genug für den WM-Titel war, das Team gab ihm gleichzeitig auch zu verstehen, dass sie es gewohnt sind zu gewinnen und Siege von ihm erwarten. Räikkönen´s Wechsel zu Ferrari war wahrscheinlich seine letzte Chance in die Rige der Gewinner und Weltmeister aufzusteigen, bevor er seine Karriere beendet. Bis jetzt hing ein Fragezeichen in der Luft, darüber wie schnell Räikkönen und das Ferrari-Team in Sachen Motorsport die gleiche Sprache sprechen. Würde das Auto gut genug sein? Räikkönen wird wahrscheinlich aufgrund seines Naturtalents sehr schnell lernen, das Auto zu kontrollieren, aber wie werden sich die Regeländerungen und besonders der Wechsel auf Bridgestonereifen auswirken?

 

Kimi zumindest war vor dem Saisonbeginn nicht besorgt. Er bereitete sich körperlich etwas anders als die anderen Fahrer auf das erste Rennen vor. Er nahm im März an einem Motorschlitten-Rennen in Nilsiä teil. Kimi schrieb sich mit dem Namen James Hunt ein: er bewunderte den früheren Formel 1 Fahrer, der für seinen ausgeschweiften Lebensstiel bekannt war. Wahrscheinlich war es auch ein Wink mit dem Zaunpfahl der Presse gegenüber, denn diese haben laut Räikkönen oft auch seine Lebensgewohnheiten als ausschweifend dargestellt. „Der geheime Fahrer“ Räikkönen gewann das 24 Kilometer lange Rennen mit einem Vorsprung von 20 Sekunden vor den Anderen, die allesamt Spezialisten im Motorschlittenrennen waren. Von dem her sah es so aus, als ob Räikkönen körperlich optimal vorbereitet ist. Derjenige, der dafür die Verantwortung trägt ist der Brite Mark Arnall, der Mann, der auch schon für Häkkinen´s Fitness verantwortlich war. Räikkönen´s Testergebnisse waren schon vor seiner Formel 1 Karriere herausragend. Er rannte 3500 Meter im Cooper-Test, bei dem man in 12 Minuten soweit es geht laufen muss. Seine körperliche Verfassung wurde seitdem jahrelang gestärkt und optimiert. Das Schneemobilrennen zeigt, dass Kimi auch neben den Rennen und Tests auch in seiner Freizeit gerne schnell unterwegs ist und an Wettbewerben teilnimmt. Ganz sicher ist Kimi keiner, der sich beim Bücherlesen oder klassischer Musik entspannt. Er entspannt sich mit schnellem Fahren oder trainiert sein handwerkliches Geschick beim Reparieren von Autos. Schlafen gehört ebenfalls zu einer seiner Lieblingsbeschäftigungen.

 

Räikkönen´s vorläufiger Vertrag mit Ferrari wurde schon lange vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn unterzeichnet. Deswegen war in Kimi´s Gedanken die Zukunft schon in den Jahren 2005 und 2006 sicher. Sicherlich hätte Mclaren auch in diesen Jahren ein Siegerauto bauen können. Aber es passierte nicht, also hatte Räikkönen mit dem Wechsel zu Ferrari wirklich nichts zu verlieren. Die angekratzte Beziehung zu seinem Teamchef war auch der Grund dafür, dass auf der Party, die Mclaren für seinen Abschied schmiss, weder Kimi noch Ron Dennis eine Träne verdrückten. Räikkönen war nie ein „Vorzeigefahrer“ wie Mika Häkkinen es in Ron Dennis Augen war. Die Disziplin, die Dennis forderte war manchmal sogar schon wie auf einem Internat, hatte aber mit Mika Häkkinen niemals Probleme mit sich gebracht. Ron Dennis folgte seinen Prinzipien systematisch mit allen seinen Fahrern, von da her war die Vorschriften, die Kimi befolgen zu hatte etwas, das auch andere mitgemacht haben. Die meisten Mclaren-Fahrer haben sich einfach besser angepasst als der manchmal etwas sehr sture Räikkönen, und noch heute wird Disziplin im Britischen Rennstall groß geschrieben.

 

Das bekamen auch einige Britische Reporter zu spühren, besonders diese, die gute Bekannte von Lewis Hamilton waren und sich vor Hamilton´s Formel 1-Karriere nie groß bemühen mussten Neuigkeiten über ihn zu erhalten. Hamilton war bekannt als höflicher und offener junger Mann, der sich gerne Zeit nahm über seine Rennen mit der Presse zu sprechen. Genauso handhabte es auch sein Vater und Manager Anthony Hamilton. Aber das änderte sich alles nach dem Mclaren-Vertrag. De facto ist es unmöglich an Hamilton außerhalb der Rennen oder der arrangierten, zeitlich sehr begrenzten Meetings heranzukommen und die Gespräche dürfen nur im offiziellen Kontext geführt werden. Das erinnert stark an die Methoden von Manchester United´s Chef-Manager Sir Alex Ferguson, wie er damals in den 90ern seine Spieler geschützt hatte. Die Art und Weise, wie er ihren jungen Spielerstar Ryan Griggs von den Medien fern hielt, war schon fast eine Wissenschaft für sich.

 

 

Kapitel 4: Max Mosley - Wer??

 

Kimi hat die Angewohnheit immer erst höflich mit Leuten zu sprechen, wenn er in eine Angelegenheit involviert ist. Wenn ihn das Thema nicht interessiert, dann signalisiert er des Öfteren sogar mit Gähnen, dass die Diskussion schon langsam beendet werden könnte. Manchmal wird Kimi sogar als unhöflich bezeichnet, aber es gab fast nie irgendeine Grundlage für diese Vorwürfe. Ein Grund für die scheinbare Ignoranz war, dass Räikkönen oft nicht wusste mit wem er es zu tun hat oder wer gerade mit ihm redet. Das könnte auch daher kommen, dass Kimi noch nie zuvor bei einem Formel 1 Rennen anwesend war, bevor er selbst in der Königsklasse fuhr. Während dem Beginn seiner Karriere kam eines Tages, vermutlich in Silverstone, Max Mosley zu Kimi als er gerade mit seinen Freunden sprach. Mosley klopfte Räikkönen auf die Schulter und ging davon aus, dass der Neuzugang ihn als FIA Präsidenten natürlich kannte. Räikkönen drehte sich schnell um und sagte „Hallo“, drehte Mosley wieder den Rücken zu und sprach weiter mit seinen Freunden. Er wusste einfach nicht wer das war, der da versucht hat mit ihm zu reden. Viele andere einflussreiche Leute in der Formel 1 waren Räikkönen ebenfalls unbekannt. Heute kennte er die wichtigsten Schlüsselfiguren, aber zu Beginn fehlte ihm einiges an Wissen über die Formel 1.  Das allerwichtigste für ihn war es, mit dem Auto, das ihm das Team gab so schnell wie möglich zu fahren. Während seiner Formel Renault-Zeit war Kimi noch selbst an der Erstellung der Newsletter über seine Erfolge im Rennen beteiligt. Kikka Kuosmanen schrieb die Newsletter und erinnert sich noch heute, dass das schwierigste an dem ganzen Job war, dass Kimi nie wusste wer eigentlich Zweiter und Dritter wurde. Er erinnerte sich sehr wohl an alle seine Siege, aber das war auch alles, was ihm im Gedächtnis blieb. Deswegen waren die Newsletter meistens sehr kurz, auch wenn sie einiges im Internet fanden, um sie gehaltvoller zu machen.


Normalerweise legt sich Kimi vor dem Rennen für ein Nickerchen hin. Doch manchmal hat er Zeit um kurz vor dem Rennen einen Autodeal zu organisieren. Einmal klingelte das Telefon eines Freundes von Räikkönen nur eine Stunde vor dem Start des Australien GP´s. Die Überraschung war groß, als er hörte, dass es Kimi war, der mit Hilfe seines Freundes ein Auto von Mitteleuropa nach Finnland bringen wollte. Der Formel 1-Star sprach ganz begeistert über den zusätzlichen Gang bei BMW, obwohl der GP gerade anfing. Zuvor hat Räikkönen den früheren Formel 1 Fahrer Jyrki Järvilehto für Informationen über den BMW gefragt. Für ihn scheint das Reden über das Rennen wesentlich schwieriger zu sein, als über ein interessantes Auto. Räikkönen´s Freund Teemu Selänne zufolge ist Kimi´s Fahrposition in seiner Freizeit sehr speziell. Kimi stellt den Sitz so tief wie möglich und wenn er fährt kann man nur ein bisschen von seinem Kopf über der Karosserie erkennen. Seine Fahrposition erinnert mich sehr an der Sitzposition in einem Formel 1 Auto. Kimi´s herausragendes Gedächtnis hat ihm viel beim Lernen neuer Strecken geholfen. Er braucht nur ungefähr 10 Runden auf einer neuen Strecke, um sich an sie zu gewöhnen. Danach kann man von ihm erwarten, dass er Rundenzeiten fährt, als wenn er auf einer ihm bekannten Strecke unterwegs ist. Diejenigen, die Heikki Kovalainen´s Karriere verfolgt haben, haben gesagt, dass er nicht die gleiche Fähigkeit eine Strecke so schnell zu lernen wie Räikkönen hat. Deswegen haben Heikki und Lewis Hamilton einen beachtlichen Vorteil daraus gezogen, als sie mit dem Mclaren-Simulator gefahren sind, der alle Rennstrecken dieser Welt darstellen kann.

 

Räikkönen und Kovalainen kommen sehr gut miteinander klar, aber sie sind keine besten Freunde. Kovalainen ist sehr diszipliniert und hängt deshalb nicht mit Kimi zusammen ab, wenn er Zeit mit Freunden verbringt. Heikki plant seine Freizeit sehr genau und wählt deshalb Dauer und Ort für freizeitliche Aktivitäten vorher sorgfältig aus. Auf der anderen Seite kann man aber auch in keiner Weise sagen, dass Kimi´s Einstellung zu seinem Beruf undiszipliniert wäre. Er macht alles, was nötig ist und gibt immer sein Bestes. Räikkönen versucht immer mal wieder was Neues im Training, damit er nicht das Interesse verliert. Jetzt kann er schon mal von Zeit zu Zeit in einer harten Saison den Plan etwas lockern und eine Pause nehmen. Diejenigen, die Kimi gut kennen, wissen, dass man ihn ab und zu Zeit geben muss, die Situation zu vergessen und ihm seine Freiheiten zu lassen, auch wenn es mitten in der Saison ist. Auf diese Weise bekommt man das Maximum aus seinen Fähigkeiten und die Resultate bleiben auf einem hohen Level. Räikkönen´s physische Verfassung hat sich über die Jahre deutlich geändert. Er ist wesentlich kräftiger geworden und sein Nacken beispielsweise ist viel dicker als zu Beginn seiner Karriere. Der Grund dafür ist natürlich hartes Fitness-Training, bei dem ein Ziel vor allem die Stärkung des Nackens ist, sodass es den Belastungen während des Rennens standhält. Räikkönen hat seinen Nacken trainiert, indem er seinen Helm stundenlang auf hatte. Als Räikkönen seine Formel 1 Karriere startete und die ersten Tests in Mugello fuhr, bemerkte er, dass sein Nacken am Abend schmerzte. Während der nächsten Jahre sind diese Probleme verschwunden und er gehört zur Spitze der Formel 1 Fahrer, was physische Fähigkeiten anbelangt. Eine von Kimi´s unwiderruflichen Stärken  als Formel 1 Fahrer ist es, dass er sich sehr schnell an ein neues Auto gewöhnt. Diese Leistungskapazität zeigte sich schon bei seinem ersten Sauber-Test.

 

Es wird gesagt, dass Kimi in seinem Privatleben sehr gütig, sensibel und emotional sei. In der Formel 1- Welt benimmt er sich in der Öffentlichkeit komplett anders, viel härter als andere Fahrer. Es ist womöglich gar nicht gut in der harten und rasanten Formel 1 –Realität Schwächen zu zeigen. Aber es hätte ihm geholfen sich schneller in den Formel 1-Kreisen einzuleben, wenn er mehr Informationen über seine neue Arbeitsumgebung aufgenommen hätte. Laut denen, die seine Karriere lange verfolgt haben, ist Räikkönen nicht der Typ, der sich hinsetzt und zuhört, was erfahrene Leute ihm raten. Er will die Dinge selbst erledigen und erlaubt es nur selten sich von anderen etwas beibringen zu lassen. Während der Zeit bei Sauber versuchte der Gentleman-Besitzer Peter Sauber oftmals Räikkönen, der stets zu große Jeans trug, zu belehren, dass das Hemd in die Hose gehört und nicht schlampig raushängen sollte. Lässige Kleidung ist noch immer Kimi´s Markenzeichen und er sieht in Zivilklamotten schon alleine wegen seines Kleidungsstils deutlich jünger aus. Räikkönen´s Interview-Stil erregte schon seit Beginn seiner Karriere Aufsehen. Manchmal haben die Reporter Räikkönen´s Betreuer im Hintergrund gefragt, wann sie ihn in eine Sprachschule schicken. Die, die Räikkönen kennen wissen genau, dass diese Idee schon tot war, bevor sie geboren wurde. Dieser Mann würde niemals zustimmen, an seinem Auftreten und Sprechfertigkeiten zu arbeiten, auch wenn man es von ihm verlangen würde. Es ist nutzlos es zu versuchen und ihm ein paar Lektüren über Verhalten zu geben, weil er die Dinge sowieso so macht, wie er es will. Wenn es einer versuchen würde und Räikkönen zwingen würde eine Schulung für solche Angelegenheiten zu besuchen, dann würde er wahrscheinlich das Team verlassen. Kimi denkt, dass er gut genug sein muss, so wie er jetzt ist. Und wenn er es nicht ist, dann würde er den Arbeitsgeber wechseln. Das wurde offensichtlich als Räikkönen von Mclaren zu Ferrari wechselte.


Manchmal musste Räikkönen aber auch seine Statements hart verteidigen. Während seiner Kart-Karriere fuhr er einmal in einem nationalen Rennen. In der Qualifikation hat er gegen ein Mädchen verloren und er schwor, dass er mit dem Kartfahren aufhören wird, wenn er am Ende des Rennens immer noch hinter ihr wäre. Am Ende des Rennens entschied Räikkönen dieses besagte Mädchen zu überholen und fuhr ihr dabei über ihren Zehen. Der Zehen war gebrochen und sie hatte eine schmerzvolle Zeit  des Heilens vor sich. Ein anderes Mal gab Kimi ein ähnliches Versprechen in einem regionalen Rennen von sich. In der Startaufstellung stehend sagte Räikkönen laut, dass er aufhören wird, wenn er gegen das Mädchen, das im gleichen Starterfeld fuhr, verlieren würde. Am Ende war Räikkönen Dritter und das Mädchen lag vor ihm. Nach dem Rennen gratulierte sein Vater Matti den Fahrern, die seinen Sohn geschlagen haben und sagte ganz laut, dass die Familie jetzt sehr viel Geld sparen wird, weil Kimi aufhört zu fahren. Aber Kimi hielt sein Versprechen nicht und fuhr weiter. Was die Jahre hinweg Kimi´s öffentliches Image in Finnland beeinflusst hat, waren die wenigen Interviews, die er gab. Am Anfang seiner Karriere gab es schon ein wenig Medieninteresse, aber das nahm nach und nach ab, weil Räikkönen im Verlauf seiner Karriere nur sehr wenige finnische Sponsoren hatte. Aus diesem Grund musste Kimi in seiner Heimat nie Werbung machen. Auch als er dann für Ferrari fuhr, gab es keinen Grund in dieser Hinsicht was zu ändern. Normalerweise stellt sich Kimi einmal im Jahr den finnischen Medien. Im Jahr 2008 war dieses Treffen vor Saisonbeginn im Hotel Kämppi in Helsinki.

 

 

 

 

Kapitel 5: Eröffnungssieg gibt Hoffnung


Der Australien GP 2007 war ein hervorragender Start von Kimi: Er war auf der Pole und ließ den Weltmeister Alonso über 7 Sekunden hinter sich, in einem Rennen mit 58 Runden. Hamilton begann Punkte als Dritter zu sammeln. Dieses wurde in diesem Moment aber eher von der Presse in Großbritannien festgestellt, da die meisten der internationalen Medien und Fans von Räikkönen´s Sieg hypnotisiert wurden. Kimi kontrollierte das Rennen von Anfang an, weil er einen guten Start hatte. Alonso musste Platz für Heidfeld machen, der Zweiter in der ersten Kurve war. Auch Hamilton überholte Alonso und der Weltmeister muss feststellen, dass er nach der ersten Kurve Vierter war. McLaren erzählte später, dass der Spanier, der mehr Erfahrung als Hamilton hatte, nicht sehr erfreut über die Vorfälle in der ersten Kurve war. McLaren Rennstrategie war mehr oder weniger durcheinander, nach dem überraschenden Start von Hamilton. Aber das Team entschied sich, bei der Strategie zu bleiben, die sie vor dem Rennen festgelegt hatten. In der Praxis bedeutete, dass Alonso das Rennen vor Hamilton beendet. Kimi´s Rennen war so gut, wie es sein konnte. Sein einziges technisches Problem war, dass sein Funkgerät kurz vor dem Start defekt war: das bedeutete, dass der Finne keinen Kontakt mit seinem Team während des gesamten Rennens hatte. Trotzdem konnte er das Rennen kontrollieren und die andere Fahrer von seiner führenden Position beobachten. Ferrari´s Strategie war sorgfältig im Voraus geplant, so dass Räikkönen keine Schwierigkeiten hatte, sie zu befolgen. „Ich konnte mein eigenes Tempo anpassen, je nach dem, was die andere taten. Es war auch schön, die Hymne auf dem höchsten Treppchen nach einer kleinen Pause zu hören“, sagte Räikkönen. Jean Todt sagte, dass er direkt nach dem Rennende zwei Anrufe bekam - beide noch vor der Podiumsfeier. Der erste Anrufer war Schumacher, der Todt gratulieren wollte und auch Räikkönen. Nach Schumacher rief Luca di Montezemelo an, der Auftaktsieg schien ihm viel zu bedeuten. „Seine Freude klang, als ob wir zum ersten Mal nach einem Jahrzehnt gewonnen hätte“, beschrieb Todt im Ferrari-Jahrbuch.


Die britischen Medien begann Hamilton schon in Melbourne zu loben. Die Marketing-Maschinerie hinter ihm hatte ihre Arbeit gut gemacht und Hamilton schien nichts gegen die Aufmerksamkeit zu haben, die er bekam. Sie hatten Hamilton wirklich für eine F1-Karriere im Team von Ron Dennis vorbereitet. Hamilton Sitz in der F1 wurde im Jahr 2006 beschlossen, als er plötzlich in Ron Dennis´ Haus eingeladen wurde. Hamilton und sein Vater traf auch CEO Martin Whitmarsh. Ihre Botschaft an Hamilton war klar: Es gab einen freien McLaren F1-Sitz ab der nächsten Saison. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass Hamilton das Angebot gerne angenommen hat. Das Schwierigste für ihn war, den Vertrag geheim zu halten, bis er verkündet werden konnte. Die britischen Medien fand nach Australien Räikkönen Sieg nicht so überraschend, wie der 3. Platz von Hamilton. Laut ihnen war die Kombination von Räikkönen und einem schnellen und zuverlässigen Auto ein Paket, das ohne Zweifel gewinnen würde. Der zweite GP war in Malaysia. Ferraris LKWs kamen dort als Favoriten an, sie hatten einen beeindruckenden Start hingelegt. Räikkönen hatte sich auf das Rennen mit Tests, Tennis und im Kraftraum vorbereitet. Alles sollte in Ordnung sein, bei Ferrari. Doch die F1-Serie zeigte einen Überraschungseffekt. McLaren erreichte einen Doppelsieg an einem Tag, an dem alles gut lief. Sogar die Champagnerflasche, die Hamilton den Mechanikern zuwarf, war unzerbrochen, obwohl sie 2 bis 3 Meter tief fiel. Ferraris Rennen ging schon in der Startaufstellung in die Hose, beide Autos wurden von den McLaren-Autos stehen gelassen. Alonso nahm die Kurve als Erster, Hamilton war hinter ihm. Massa versucht zu überholen, aber es brachte ihm ein Aus in der vierten Kurve ein. Hamilton dachte anschließend, dass sich Massa zu sehr darauf konzentrierte, was Räikkönen machte und dadurch am Anfang eine Lücke für die McLaren ließ, in der sie hindurchschlüpfen konnten. Ferraris Ergebnis war eine riesige Enttäuschung, obwohl sie Punkte sammelten. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass sie die Kraft des Motors nicht voll nutzen konnten. Wasseraustritt und Überhitzung, die bereits in Australien aufgetreten waren, verhindert, dass der Motor voll genutzt werden konnte.





 

Kapitel 6: Was ging schief

 

Als Massa in Bahrein die Ziellinie überfuhr, war es Ferraris zweiter Sieg. Räikkönen war unzufrieden, da er zu Rennbeginn hinter Alonso fest hing. „Da war der Kampf um den Sieg für mich vorbei. Ich konnte von dieser Position aus nicht um den Sieg kämpfen“, sagte Räikkönen in einem TV- Interview. So sah es auch das ganze Rennen über aus. Selbst wenn Räikkönen schon mehrfach bewiesen hatte, dass er ein Einser-Schüler ist, so kann man ihm für dieses Rennen nur eine 2 geben. In Räikkönens Maßstab ist das keine all zu gute Note. In seiner Kolumne nach dem Rennen sagte Räikkönen, dass er nach der Hitze Bahreins ein paar Wochen relaxed zu Hause verbringen möchte- „wo auch immer zu Hause ist.“ Danach dachte er, wäre er bereit wie „Männerheim“. Nach dem Rennen in Bahrein zog der F1- Zirkus weiter nach Europa zum Spanien GP. Danach steht das Rennen in Monaco an, bevor der Tross für zwei Rennen weiterzieht nach Nord-Amerika. Bei der Ankunft in Barcelona waren fast 4 Wochen seit dem letzten Rennen vergangen und die Fahrer konnten für länger als gewöhnlich zu Hause entspannen. Räikkönen trainierte mit Gymnastik und nahm an Eishockey-Trainings teil. Natürlich blieb er auch dem Golfplatz nicht fern. Er verfolgte aber die Spiele der finnischen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Moskau, sowie die Spiele von Anaheim, die mit Teemu Selänne den Stanley-Cup in der NHL anführten. Massa verbrachte seinen 26. Geburtstag, wie gewohnt, mit seiner Familie in Brasilien.


Die Aufmerksamkeit der Medien richtete sich sehr stark auf Hamilton. Obwohl die Erfolge von Hamilton und Alonso zweifellos McLaren zufriedenstellten, erhöhten sie den Druck innerhalb des Teams. Jedermann wusste, dass Alonso mit großen Erwartungen und ohne Zweifel mit dem Gedanken, der Nummer 1 Fahrer zu sein, zum Team kam. Hamiltons exzellente Leistungen beeinflussten die Beziehung zwischen den beiden Fahrern. Wiederholt musste Hamilton erkennen, was es heißt, ein erfolgreicher F1-Fahrer zu sein, speziell im gelobten Land des Motorsports: Großbritannien. Nach seiner Rückkunft nach Großbritannien waren überall Reporter und Fotografen, die jeden seiner Schritte verfolgten. Räikkönen war es seit Jahren gewohnt, im Blitzlicht der Medien zu leben. Natürlich mag er es nicht, aber wer weiß was passieren kann. Zeitweise war er das Ziel der Schreiberlinge, ohne eigenes Verschulden. Die britischen Medien sind die Besten, wenn es um eines geht: Sie heben einen Sportler in den Himmel und lassen ihn an einem Punkt wieder fallen. Gemäß den Informationen, die an die Öffentlichkeit kamen, gab es keine Meinungsverschiedenheiten oder Neid zwischen Räikkönen und Massa. Die Situation der beiden war verschieden: Auf der einen Seite der erfahrene, aber hungrige Räikkönen und auf der anderen Seite der junge und sich entwickelnde Massa. Räikkönen sagte während dem Spanien GP, dass die Beziehung zwischen ihnen, während der ganzen Saison gleich bleibe. Natürlich gab er zu, dass Massa ebenso ein Herausforderer auf der Strecke sei.

 

Nach Bahrein testeten die Teams in Barcelona und Kimi war mit den Ergebnissen zufrieden. Während des Rennwochenendes fragte Kimi sein Team überraschend, ob er nicht das 261-Chassis, welches er bei den Tests fuhr, anstelle des identischen 262-Chassis nehmen könne. Bei Ferrari wunderte man sich, dachte aber dass die Entscheidung psychologischer Natur sei. Räikkönen und die Team Mitarbeiter mussten ihre Beziehung mit ihrem alten Kollegen Schumacher erneuern, als dieser seinen Job als Berater im Team zum ersten Mal antrat. Er war auch beim Test anwesend. Räikkönen fiel in Spanien auf Grund eines technischen Problems aus. Zum ersten Mal wurden die Unterstützer Räikkönens unruhig. Neues Auto, Top- Team; Räikkönens Handgriffe wurden unsicher. Die heißesten Flitterwochen waren vorüber. Die ganze Zeit über geschehen Dinge im Hintergrund. Ferrari und Kimi wussten zu diesem Zeitpunkt sehr genau, dass die technischen Dinge aktuell nicht die besten waren. Sie hatten einen wichtigen Test vor Monaco in Frankreich. 4 Rennen waren eindeutig zu wenig, um das gesamte Paket in den richtigen Rahmen zu bekommen. Ferrari und Kimi kannten sich noch nicht gut genug. Sie testeten in Südfrankreich auf dem Paul- Ricard- Kurs um das richtige Setup für Kimi zu finden.




Kapitel 7: Auf einer absteigenden Spirale


In Kanada zeigte Kimi den Reportern ein Pokerface: „Ich muss einfach nur so gut fahren, wie es geht. Wenn die Anderen ausfallen, dann sieht das Ergebnis schon ganz anders aus“, sagte er. Das Beste für ihn am Rennwochenende in Kanada war wahrscheinlich das Treffen mit einer örtlichen Schülergruppe. Bridgestone arrangierte die Veranstaltung, in denen die Kinder Fragen stellen konnten und laut den Anwesenden war es ein sehr lustiges Event. Räikkönen ist bekannt dafür solche Treffen mit Kindern und Jugendlichen zu mögen. Das erhöht die Hoffnung in finnischen Motorsportkreisen, dass er nach seinem Rücktritt seine Förderung von Kindern und Jugendlichen fortsetzt. Kimi lud einst Kinder aus dem SOS-Dorf in Tapiola zum Monaco-GP ein. Sie durften das Renngeschehen von Kimi´s Yacht aus verfolgen. Außerdem veranstaltete er auf finnischen Kartbahnen ein Event für die Weisenkinder, die im SOS-Dorf leben.

 

 

 

Kapitel 8: Einsamer Brummifahrer


Der zweite Teil der Amerika-Tour lag in Indianapolis voraus, welches das 7. Rennen dieser Saison sein wird. Was auch immer für wirren Gedanken Kimi weit weg von zu Hause in seinem Kopf hatte, er hat sie der Außenwelt nie gezeigt. Heute ist laut seinem langjährigen Freund Kalle Jokinen bekannt, dass Kimi sehr niedergeschlagen war. Jokinen zufolge klingelte sein Handy während des Indianapolis GP-Wochenendes als er gerade mit Freunden in einer Karaoke-Bar war. Der Anrufer war Kimi, der ihm erzählte, dass das Team sehr hart arbeitet, um ein Auto zu bauen, das gegen die Mclaren ankommt. Dann hörte Kimi aus dem Hintergrundgeräusch heraus, dass sein Freund gerade seine Freizeit mit Freunden genießt. „Kannst du schnell „Rekkamies“ singen? Lass das Handy an wenn du singst. Das wäre schön, weil ich mich manchmal ein bisschen einsam hier fühle“, bat Kimi seinen Freund. Jokinen tat es und sang Kimi´s Lieblingslied Rekkamies. Ein anderer Karaoke-Lieblingssong von Kimi ist aus verständlichen Gründen „Paalupaikka“ (Pole-Position). Der Formel 1-Star dankte seinem Freund nach dem Telefonat und sagte, dass sie sich hoffentlich bald wieder sehen. Keiner seiner Freunde wusste damals, dass die Situation nach dem Indianapolis-Rennen noch kritischer war. Aber zum Glück konnte man den Boden schon sehen, es konnte nur noch aufwärts gehen. Oder zumindest musste man so denken.



 

Kapitel 9: Der Wind dreht sich

 

Gleich nach dem Frankreich-GP wurde eine Nachricht veröffentlicht, eine Nachricht, die die Beziehung zwischen Mclaren und Ferrari zerstörte. Ferrari wollte wissen, ob die anderen Team Informationen von ihnen genutzt haben, die sie während den Vorbereitungen auf die Saison und während der Saison erhalten haben. Sie dachten, dass Nigel Stepney angefangen hatte Ferrari zu sabotieren. Sie fanden während der Saison ein mysteriöses weißes Pulver in den Tanks der Autos. Als Räikkönen in Silverstone gewonnen hatte, wurde Teamchef Jean Todt ein wenig poetisch als er seine Gefühle nach Kimi´s Sieg beschrieb: „Kimi fuhr majestätisch und Felipe´s Leistung war fantastisch, wenn man die Ausgangslage bedenkt. Aber unsere Achillesferse ist immer noch die Zuverlässigkeit“, sagte Todt. Räikkönen machte seinem Team selbst in den harten Zeiten niemals Vorwürfe, er sagte nur, dass Dinge besser hätten laufen können.



 

Kapitel 10: Der Nachbarsjunge

 

Ich fahre vorbei an Kimi´s Haus und werfe einen Blick auf das legendäre Zuhause, das nicht einmal ein Badezimmer hatte, nur um Kimi´s Hobby finanzieren zu können. In diesem Hof fuhren Kimi und Rami auf ihren kleinen Motorrädern herum, während der Dreck nur so herumflog. Ebenfalls auf diesem Hof schleuderten sie mit den Ladas ihres Vaters im Kreis herum. Geschichten, die so wild sind, dass sie noch immer nicht im Ganzen an die Öffentlichkeit gebracht werden können. In der gleichen Kulisse sind auch die kleinen Hügel zu finden, von denen der kleine Kimi, auf seiner Schultasche sitzend, runtergerutscht ist als er von der Schule nach Hause lief. Auf dem Weg von der Schule zu Kimi´s Haus befinden sich auch noch drei weitere, schnellere Hügel von denen gerade kleine Schulkinder mit einer enormen Geschwindigkeit runterbrettern. Aber ob diese Geschwindigkeit auch für den späteren Formel 1 Weltmeister schnell genug war, ist eine ganz andere Geschichte. Die Schule war nie Kimi´s Lieblingsbeschäftigung, aber er hatte auch nicht arg viel gegen die sympathische kleine Schule. In der Schule möchte Kimi Matias besonders Werken und Sport. Am Donnerstag ging er immer gerne zur Schule, denn dann gab es Erbsensuppe und Pfannkuchen, von dem er wenn möglich gerne immer etwas mehr aß. In Deutschland hatte der Kampf um die Vorherrschaft unter den Mclaren-Fahrern den Siedepunkt erreicht. Im nächsten Rennen in Ungarn sahen wird zwei gleich schnelle Fahrer gegeneinander Fahren. Es war klar, dass nur ein Wunder die angebrannte Beziehung wieder heilen konnte.




Kapitel 11: Ein Gorilla auf dem Wasser

 

Kimi Räikkönen ist bekannt für seine originellen Ideen. Er kann unter dem Namen „James Hunt“ bei einem Motorschlittenrennen teilnehmen, in Estland Motorcross fahren, oder sogar an einem Motorbootrennen teilnehmen. Eine Woche vor dem Ungarn-GP wurde ein Motorboot-Event in Hankoo abgehalten, bei dem ein normales Rennoutfit für Räikkönen nicht genug war. Eine Gruppe von drei Gorillas tauchte an der Örtlichkeit auf und Räikkönen war vermutlich derjenige mit dem braunen Gorillakostüm. Räikkönen´s beide andere Freunde trugen schwarze Anzüge. Räikkönen wurde in Hankoo zumindest mit Geschäftsmann Jussi Salonoja und Eishockeyspieler Teemu Selänne gesehen. Im Sommer 2007 besaß Räikkönen zusammen mit Salonoja eine luxuriöse Jacht und das Meer verband sie auch bei dem Poker-Run Event in Hankoo. Räikkönen nahm am Rennen als Mitglied der Crew „Team Monkeys“ teil. Das „Affenteam“ wurde in der Kategorie „bestes Boot/Outfit“ im Rahmen dieses Events ausgezeichnet. Die Gorilla-Angelegenheit war daraufhin Gesprächsthema in der Pressekonferenz des Ungarn-GPs, wo die finnischen Reporter Informationen über Räikkönen´s Zeitvertreib veröffentlichten. Sie fragten ihn in der offiziellen Pressekonferenz, ob diese Gerüchte stimmen und Räikkönen antwortete lachend: „Hmm, war das wirklich ich? Du kannst es nicht sicher wissen. Es gibt so viele Geschichten über mich…“ Laut den Informationen der Zeitungen hat das „Team Monkey“ den braunen Gorilla „Kimi“ genannt, als er die Seile löste. Er wurde auch in der Kabine ohne das Affenkostüm gesehen. Der Veranstalter des Poker-Runs Patu Leppälä bestätigte, dass Räikkönen am Rennen teilgenommen hat. Das Gleiche wurde 2008 ohne Affenkostüm wiederholt und Kimi genoss die Zeit mit seinen Freundin in Hankoo sehr.

 

Nach dem Ungarn-GP verbrachte Räikkönen seinen Urlaub in seinem Heimatland, eine seiner Wege zu entspannen war Golfen. Auch Karaoke machte er gerne. Laut einigen Zuhörern musste sein Vortrag des Songs „Paalupaikka“ ein unvergessliches Erlebnis gewesen sein. Zu keinem Zeitpunkt seiner Karriere als Fahrer hat Kimi je darüber nachgedacht eine Karriere als Geschäftsmann zu beginnen. Seine Anfänge sind in einer gewissen Weise ein Aufruf, weil er schon seit sehr früher Kindheit seine Ziele im Sport sehr hoch ansetzte. Es ist nicht die Schuld von Kimi oder eines anderen Fahrers, dass sie im Motorsport unglaubliche Summen von Geld zahlen. Wäre Kimi als Kind größer und kräftiger gewesen, dann wäre seine Karriere als Eishockeyspieler wahrscheinlich für eine lange Zeit weitergegangen. Der Siegeswille war nie das Problem, aber wahrscheinlich ist Räikkönen als Einzelsportler stärker wie als Teamsportler. Natürlich ist ein Formel 1-Team auch ein Team, aber der Fahrer ist derjenige, von dem Erfolg oder Misserfolg auf der Strecke abhängt. Ein Top-Fahrer kann einen Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Platzierung ausmachen, wenn er genug Unterstützung durch sein Team erhält. Aber ein Top-Team kann nicht aus einem schlechten Fahrer einen Weltmeister machen, egal wie sehr sie es versuchen. Falls jemals die Fahrer nach dem reinen, natürlichen Talent im Motorsport oder in der Formel 1 eingestuft werden, so wird Räikkönen wahrscheinlich sehr weit oben in der Liste stehen. Heutzutage werden eher roboterartige Fahrer gesucht, die neben guten Fähigkeiten auch noch ein glänzendes Äußeres besitzen. Darum müssen sich auch Talente wie Kimi erst einmal mit ihren Fähigkeiten durchsetzten.



 

12. Ferrari erhöht den Einsatz

 

Vor dem Türkei GP zog Luca di Montezemelo die Zügel in der WM-Schlacht an und gab bekannt, dass das italienische Team die Möglichkeit hätte, alle verbleibenden sechs Rennen zu gewinnen. Räikkönen unterstützte die Meinung seines Arbeitgebers und begab sich in einen Wettstreit mit den McLaren-Fahrern: „Ich denke, dass es für Ferrari möglich ist alle sechs Rennen zu gewinnen. Die Strecken sollten uns liegen“, sagte Räikkönen. In dieser Aussage war die Vorhersehbarkeit der F1-Rennen zusammengefasst. Jedes Rennen ist eine so kompakte Einheit, das selbst kleinste Details alles verändern können. Safety Cars, Boxenstopps, Strategien, Teamentscheidungen während des Rennens, Regen, Reifenwahl, Hitze, die Gefühle des Fahrers: alles zählt, wenn das Endergebnis Form annimmt. Unerwartete Ereignisse und Fahrfehler bilden ein eigenes Kapitel, welches Kimi aus erster Hand im Kanada GP 2008 zu spüren bekam. Lewis Hamilton fuhr unsanft auf Räikkönen, welcher in der Boxenausfahrt auf Grün wartete, auf und zwang sie somit beide zur Aufgabe. Räikkönen´s ungewöhnlicher Wutanfall war völlig gerechtfertigt, brachte aber nicht die verpasste Gelegenheit zurück. Auch gute Fahrer machen Fehler, aber manchmal können diese auch gewollt sein. Einen Gegner aus dem Rennen zu werfen ist in der F1-Welt nichts Ungewöhnliches. Ich bezweifle das dies Hamiltons Absicht war, aber er war ziemlich unkonzentriert. Räikkönen hatte vor dem Monza-Wochenende Zeit, ein paar Tage zu Hause zu entspannen. Der Monza-GP 2007 war ein widersprüchliches Erlebnis für Räikkönen. Einerseits konnte er nun den Tifosi seine Fähigkeiten zeigen, aber die Ereignisse im Samstags-Training nahmen ihm diese Möglichkeit. Räikkönen fiel aus, nachdem sich seine Bremsen in einem löchrigen Teil der Strecke verklemmt hatten. Er verletzte seinen Hals und hatte während des Rennens mit Schmerzen zu kämpfen. Der verletzen Hals machte es schwierig für ihn Kurven zu fahren und Räikkönen musste hart arbeiten, um das Auto zu kontrollieren.

 

Ein paar Tage Erholung hätten für Räikkönen bedeutet, dass er im Normalzustand hätte fahren können. Nun konnte seine Gegner diese Schwäche gegen seinen Willen nutzen. Kimi hatte keine andere Wahl, als den Kampf trotz seiner schwierigen Situation fortzuführen. Das nächste Rennen würde in Spa-Francorchamps, Belgien, stattfinden, welches er immer sehr genossen hatte. Er hatte bereits zwei Siege aus McLaren-Zeiten in der Tasche. Spa brachte Ferrari den dritten Doppel-Sieg der Saison und verbesserte deutlich seine Chancen gegen Hamilton und Alonso. Hamiltons und Alonsos Kampf zu Beginn des Rennens endete zum wiederholten Male fast in einem Totalausfall beider. Alonso wählte eine Fahrlinie die Hamilton zwang die Strecke zu verlassen und als der Spanier ebenfalls von der Strecke abkam, sah es für einen Moment so aus, als sei er nicht in der Lage das Rennen fortzusetzen. Am Ende konnten sie beide das Rennen fortsetzen und beenden. Nachdem Räikkönen die Ziellinie als Sieger überquerte war er so begeistert, dass er sogar ein paar Donuts mit seinem Auto machte. Er benötigt die größtmögliche Punktzahl aus dem Japan GP und er musste vor Hamilton ankommen. Es regnete während des Rennens und das Reifens Roulette zwang ihn zu einem zusätzlichen Boxenstopp. Der Start erfolgte vor dem SC und bald wurde klar, dass Ferrari Kimi´s Regenreifen nicht nach der, im letzten Moment verschickten, E-Mail der FIA verändert hatten. Räikkönen wäre disqualifiziert worden, wäre er nicht zu einem weiteren Reifenwechsel gekommen. Kimi sagte, dass er praktisch gar nichts auf der nassen Strecke sehen konnte. In seiner Kolumne vor dem China GP sagte er, dass Hamilton´s Meisterschaft sicher aussehe, er ihm die Durchführung seiner Pläne aber immer noch erschwere können. Und dies tat er auch.








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